Privates - Von mir, vom Glücklichsein und einer ungewissen Zukunft

Tach auch!

Was habt Ihr früher in die Freundschaftsbücher unter "das will ich mal werden" geschrieben? Die Klassiker wie Tierärztin, Feuerwehrmann, Fußballprofi oder Sängerin? Und? Seid Ihr es geworden? Bei mir stand in der Grundschule immer "Malerin" drin. Ich wusste damals schon, dass das nicht der richtige Begriff war, für das was ich werden wollte, doch klar war für mich immer - irgendwas mit malen.


Tja, nun wird man nicht "irgendwas mit malen" von Beruf, aber es sollte schon etwas Kreatives werden. Da ich kein bisschen gern zur Schule gegangen bin - im Ernst, ich kann Leute wie den Ollen nicht verstehen, die gern wieder zur Schule zurück wollen - hab ich schleunigst zugesehen, dass ich da weg komm. Also hab ich nach der zehnten erst ein Langzeitpraktikum und anschließend eine Ausbildung gemacht. Gelernt habe ich Schauwerbegestalterin in einem großen Kaufhaus. Das war wirklich toll und hat mir sehr viel Spaß gemacht. In Schaufenstern rumwerkeln und kreativ sein. Nach meiner Ausbildung wurde ich leider nicht übernommen und landete in einem - hmmm... wie drücke ich das freundlich aus? - Unternehmen für Bekleidung für sehr junge und sehr dünne Mädchen. Ich war natürlich froh, dass ich einen Job hatte, aber so ganz das Richtige war es nicht. Nach 6 Monaten folgte die Kündigung, aus irgendwelchen ominösen Gründen. Zum Glück erfuhr ich später, dass dieses Unternehmen für ominöse Kündigungen bekannt war und es somit nicht an mir lag. Darauf folgte Arbeitslosigkeit. Mit 21 nicht ganz so geil.

Nach 4 Monaten fand ich einen neuen Job. Teilzeit und 70km entfernt, war mir aber egal, hauptsache ich konnte wieder arbeiten. Der Job war genau das Gegenteil von dem davor. Auch Bekleidung, aber eher für ein Klientel um die 40. Aber was soll ich sagen. Ich hatte richtig tolle Kollegen, einen wirklich schrägen, aber liebenswerten Chef und Spaß bei der Arbeit. Nach 1 1/2 Jahren hatte ich die Möglichkeit die Filiale zu wechseln. Vollzeit und nur noch 35km von Zuhause entfernt. Auch da hatte ich tolle Kollegen und viel Spaß. Dann kam es wie es kommen musste. Die Firma ging insolvent. Über 400 Jobs futsch, auch meiner. Ich steuerte also wieder auch die Arbeitslosigkeit zu. Mit 25 nicht besser als mit 21. Deshalb hab ich wieder den nächst besten Job angenommen. Der war mehr als mies, also habe ich nach 3 Wochen selbst gekündigt. Das Problem dabei ist, dass man dann 3 Monate kein Geld bekommt. Also habe ich mich mit Minijobs über Wasser gehalten und nach 6 Wochen einen neuen Job angetreten. Der Job ansich war toll. Viel kreative Freiheit, keine Layouts wie die Schaufenster aussehen sollen, viel Reisetätigkeit und Abwechslung. Allerdings war das Gehalt mehr als unterirdisch und das Team leider nicht so toll. Oder vielleicht war das Team toll, aber nicht für mich. Ich passte da einfach nicht rein. Nach zwei Jahren wieder das gewohnte Spiel. Ich war als Letzte gekommen und musste als Erste gehen.

Zu dem Zeitpunkt war aber gerade klar, dass wir Kinder wollen. Ich lieber gestern als morgen. Ich wollte den Kinderwunsch nicht noch weiter aufschieben, wieder die Neue in einem Job sein und zitternd auf einen unbefristeten Vertrag warten. Also bin ich von der Arbeitslosigkeit in meine erste Schwangerschaft übergegangen. Und das war so ziemlich das Beste was mir passieren konnte. Ich hatte zwar keine sehr schöne Schwangerschaft, aber ich war glücklich. Manchmal merkt man erst wie unzufrieden man mit einer Situation oder halt einem Job ist, wenn man ihn nicht mehr hat. Ich habe schon während der Schwangerschaft zum Spaß ein wenig bei Mama im Laden geholfen und nachher sogar in einem Mini-Angestelltenverhältnis. Nach 3 Jahren kam dann der kleine Herr dazu und unsere kleine Familie war komplett. Ich wollte immer zwei Kinder.

Doch nach dem Jahr Elternzeit rückte die eine Frage wieder näher. Was kommt danach? Mamas Laden war nicht mehr, also konnte ich da schon mal nicht mehr arbeiten. Also taten wir das, was alle Eltern tun. Wir meldeten den kleinen Herrn in der Kita an, damit er schon dieses Jahr einen Platz bekommen sollte. Wir hatten beide gemischte Gefühle dabei, aber ich konnte ja schlecht einfach Zuhause sitzen und nix tun. Auf der anderen Seite hatte ich aber herzlich wenig Lust mir wieder ein Vorstellungsgespräch nach dem anderen anzutun - für mich das echt eine Qual, ich mache das nicht gerne - und dann für ein paar Kröten im Monat zwischen Kita und Job hin und her zu rennen. Ich verstehe durchaus Mütter die Karriere machen wollen oder arbeiten müssen, weil das Geld sonst nicht reicht. Ich für meinen Teil wollte das aber so nicht. Ich möchte keine Karriere machen, ich möchte nicht alles vereinbaren müssen und für die Blagen nur Qualitytime übrig haben. Ich möchte alles mitkriegen. Möchte sehen wie die ersten, wackeligen Schritte aussehen, möchte lesen, malen, basteln und Tiere im Garten suchen. Aber der Hauptgrund, warum ich mir nicht wieder irgendeinen Job suchen wollte war einfacher - ich bin glücklich. Glücklich so wie es ist. Ich bin gerne Zuhause, koche und kümmer mich um die Blagen. Trotzdem blieb das Problem, dass man damit kein Geld verdient. Der Olle verdient ganz gut und wir haben alles was wir brauchen und können sogar ein kleines bisschen Urlaub machen. Aber ein paar Kröten mehr können nicht schaden. Wenn mal das Auto kaputt geht oder die Kinder wieder ganz plötzlich größer werden, könnte man einen kleinen Puffer schon gebrauchen. Also habe ich mich Anfang des Jahres in meinen Dawandashop reingekniet. Habe meine Statistiken gelesen und versucht zu analysieren, was gut geht und woran man noch arbeiten könnte. Seit 2008 gibt es meinen Shop mittlerweile und ich habe ihn bisher immer nur als Hobby betrieben. Großartig was verdient habe ich damit nicht. Dieses Jahr habe ich mich allerdings auf die Junggesellenabschiede konzentriert und siehe da, es wurde immer mehr. Ich stellte neue Buttons ein, habe Designs überarbeitet und neue gemacht. Ab März ging es immer weiter aufwärts, immer mehr Käufe kamen rein. Mittlerweile kann ich 1-2 Stunden am Tag arbeiten und verdiene damit genauso viel, wie wenn ich mir einen "normalen" Job gesucht hätte. Und das macht mich nochmal mehr glücklich. Ich kann Zuhause arbeiten, wenn der kleine Herr schläft oder Abends, kann meine eigenen Sachen verkaufen. Ich kann basteln und bloggen und hab immernoch jede Menge Zeit für die Blagen. Das ist ein wahnsinnig tolles Gefühl.

Es gibt allerdings ein kleines "aber". Mir ist nämlich klar, dass das nicht für immer so bleiben kann. Die Blagen bleiben nicht ewig so klein und irgendwann muss ich auch mal wieder arbeiten. Muss ich? Ich weiß es nicht. Im Moment bin ich sehr zufrieden und kann mir gut vorstellen weiterhin selbstständig zu sein, das ist ja schließlich auch Arbeit! Wer weiß, vielleicht schaffe ich es ja meinen Dawandashop soweit auszubauen, dass er irgendwann von Minijob auf Teilzeitjob springt. Das wäre richtig toll. Ich spiele auch mit dem Gedanken noch einen zweiten Shop zu eröffnen. Das wird aber wohl nicht mehr dieses Jahr geschehen. Ideen habe ich aber schon jede Menge. Und jetzt komme ich wieder auf die Freundschaftsbücher zurück. Bei mir stand immer "Malerin" drin. Den Beruf der "Illustratorin" kannte mein Grundschul-Ich noch nicht. Ich liebe Kinderbücher, Postkarten und Poster. Schöne Illustrationen machen mich glücklich, lassen mich schmunzeln, lachen oder weinen und ich könnte sie mir stundenlang anschauen. Auf Instagram klicke ich mich gerne durch die Profile von Leuten die toll Zeichnen oder pinne schöne Bilder bei Pinterest. Ich selbst kann auch zeichnen. Ich könnte es mal richtig gut. Wenn man aber lange Zeit nicht zeichnet kommt man aus der Übung. Vor ein paar Monaten hab ich das Zeichnen wieder für mich entdeckt und sitze reglmäßig mit der Kleenen am Tisch und kritzel. Bei Instagram folge ich unter anderem Johanna Fritz. Und sie veranstaltet im Juli eine Challenge. Sie ist kostenlos und sowohl für Illustratoren, als auch für blutige Anfänger wie mich. Es geht darum sich ein Portfolio zu erstellen, eine Mappe mit Zeichnungen, die man Verlagen vorlegen kann. Ich sehe mich ehrlich gesagt nicht mit meiner Mappe über die Frankfurter Buchmesser rennen, aber ich möchte das Zeichnen wieder lernen und etwas für meinen künftigen Dawandashop mitnehmen oder für Bücher wie das vom kleinen Elf letztes Jahr. Also habe ich mich bei der Challenge angemeldet. Eigentlich ist mein Terminplan im Moment pickepacke voll, aber irgendwie kriege ich das schon hin. Ich will das hinkriegen, weil ich so richtig Bock auf zeichnen hab, über meinen Schatten springen will und meine Zeichnungen zeigen möchte. So! Und natürlich werde ich auch davon berichten. Werde Euch meine Bilder zeigen und erzählen, ob es mich weitergebracht hat und was ich gelernt habe. Wer weiß, vielleicht muss ich nochmal einen ganz neuen Weg gehen, um glücklich bleiben zu können. Mal sehen was die Zukunft bringt.

So! Habt Ihr durchgehalten und bis hier hin gelesen? Respekt! Das war heute ein ungewöhnlich langer Post für mich. Aber manchmal gibt es Dinge, die müssen einfach raus! Wie ist das bei Euch? Habt Ihr Euren Traumjob gefunden? Was macht Euch glücklich im Leben? Ich wills unbedingt wissen, also schreibt mir gerne einen Kommentar. Habt noch eine schöne Woche! Tschööö, Eure glückliche Sandy

PS: Nächste Woche gibts hier wahrscheinlich nix zu lesen, da ich Besuch habe. Erreichbar bin ich dennoch auf den Social Media Kanälen oder per Mail.

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Kommentare: 11
  • #1

    Conny (Samstag, 02 Juli 2016 19:12)

    Ich musste schmunzeln, lachen und sogar ein kleines Minitränchen verdrücken ... schließlich kenne ich dich ja schon soooo verdammt lange ;o) und weiß das Alles nur zu gut.
    Haste schön geschrieben und ich sach dir ma wat der alte Henry Ford damals gesacht hat:
    WER IMMER TUT WAS ER SCHON KANN, BLEIBT IMMER DAS WAS ER SCHON IST!
    Also mach weiter ... nix kann falsch sein wenn es einen glücklich macht ;o)... und Träume, mein Kind, gehen NIE in Rente!
    Schmatza vonne Murmel

  • #2

    Tante Ju (Samstag, 02 Juli 2016 19:52)

    Ach Schnupp...Ich bin soooooo stolz auf dich ❤ und deine Murmel hat den Nagel auf den Kopf getroffen

  • #3

    Der Olle (Sonntag, 03 Juli 2016 00:32)

    Hallo Zucker.
    Denk an das was wir besprochen haben. Du musst gar nix. Und was wirklich wichtig ist, sind die kleinen Dinge, die die uns glücklich machen, wie Glühwürmchen im Schlafzimmer, der Pitsch-Patsch-Pinguin und der Floh am Affenpo.
    Ich liebe dich.

    Dein Oller

  • #4

    Conny Voß (Sonntag, 03 Juli 2016 01:39)

    Liebe Sandy,
    auch ich habe Deinen Beitrag schon gelesen und ich muss sagen: HUT AB! Sehr toll geschrieben und ich finde es toll, dass Du so eine Kreative bist, alle Achtung! Respekt

  • #5

    Nicole (Sonntag, 03 Juli 2016 13:25)

    Schön, dass du glücklich bist mit dem was du bist, tust und hast! Du machst das genau richtig!

    Liebe Grüße...und mach weiter dein Ding!

  • #6

    Sandy Tintenelfe (Montag, 04 Juli 2016 10:00)

    Hach danke Ihr Lieben. Ich hab mich wirklich riesig über Eure Kommentare gefreut und bei jedem so vor mich hin gegrinst! :-)
    Viele Küsse an Euch!
    Sandy

  • #7

    Rosy | Love Decorations (Mittwoch, 06 Juli 2016 19:10)

    Ohh, meine Liebe, was für ein wundervoller und persönlicher Text – ich habe es richtig genossen beim Lesen!
    Ich verstehe es, wenn man in der Welt des Internets immer etwas vorsichtig ist, vor allem wenn es um das Privatleben geht – aber trotzdem ist es als Leser schön, auch mal was von der Person hinter dem Blog mitzubekommen, nicht wahr!? ;)
    Und dein Beitrag berührt mich richtig und du bist mir dadurch noch sympathischer geworden :) Vielen vielen Dank für´s Teilen dieser Gedanken :*

    Ich drück dich ganz lieb und wünsche eine fröhliche Woche, Liebes!
    Deine Rosy

  • #8

    Rosy | Love Decorations (Mittwoch, 06 Juli 2016 19:12)

    Ach, und deine Zeichnungen – ich bin sprachlos!!! So goldig – hast du auch schon einmal kleine Storys gezeichnet? :) :*

  • #9

    Sandy Tintenelfe (Dienstag, 12 Juli 2016 20:31)

    Hey liebste Rosy,
    danke für Deine Worte. Ich finde es auch immer mal schön, wenn die Leute etwas privtes preisgeben :-) und das hier musste einfach mal raus!
    Danke auch fürs Kompliment! Ich hab ja letztes Jahr ein kleines Weihnachtsbuch für meine Zwerge geschrieben und gezeichnet. Ich hab auch noch weitere Ideen zum Thema Kinderbuch und irgendwann werdet Ihr die sicher noch zu Gesicht bekommen :-)
    Dir auch eine zauberhafte Woche und liebe Grüße,
    Sandy

  • #10

    Christine (Mittwoch, 13 Juli 2016 11:58)

    Ich drücke dir die Daumen und wünsche dir, dass sich das mit deinem Shop einfach weiterhin gut entwickelt und er ganz natürlich mit dem Alter deiner Kinder (und der damit einhergehenden mehr-Zeit) weiter wächst!
    Es gibt einem ja auch einfach ein schönes Gefühl, wenn man Geld mit etwas verdient, was einem Spaß macht!

  • #11

    Sabine aus WO(rms) (Dienstag, 22 November 2016 00:57)

    Wow - was für ein Weg - deine Ehrlichkeit -
    mach´ weiter so - du schaffst das :)
    ♡liche Grüße von
    Sabine aus WO(rms)